Ein breit aufgestellter Jurist, der zugleich auf hohem Niveau musikalisch tätig ist
Julien Dubarry ist ein Jurist, der einen generalistischen Ansatz im Recht verfolgt – entgegen dem Trend zur allgegenwärtigen Spezialisierung. Dieser Ansatz ermöglicht es ihm, ein rechtliches Problem aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, die er in seinen Argumentationen kontrapunktisch miteinander in Dialog bringen kann. Die Kenntnis der Grundprinzipien der Musikkomposition ist ihm in dieser Hinsicht ebenso nützlich wie seine Tätigkeit als Sänger und Interpret, der einen Text lebendig werden lässt, ohne ihm untreu zu werden, was auch die Aufgabe des Juristen ist. So wird deutlich, dass es unmöglich ist, den Juristen vollständig vom Künstler zu trennen und umgekehrt, was erklärt, warum Julien diese beiden Tätigkeiten mit demselben Anspruch und derselben Leidenschaft ausübt.
Juliens Werdegang
Nach dem naturwissenschaftlichen Abitur begann er ein Masterstudium im französischen und deutschen Recht, das von den Universitäten Köln und Paris Panthéon-Sorbonne gemeinsam angeboten wurde. Im Anschluss daran erwarb er 2007 einen Master-Abschluss in Privatrecht sowie einen LL.M. in französischem und deutschem Recht während er gleichzeitig seine musikalische Tätigkeit mit hohem Anspruch ausübte, was ihm 2005 den Einstieg in den Chor des Orchestre de Paris ermöglichte.
Nach seinem Master 2 (ehemals DEA) in allgemeinen Privatrecht an der Universität Panthéon-Sorbonne, den er 2008 als Jahrgangsbester (mit der Note „sehr gut“) abschloss, begann er mit einer Dissertation im Rahmen einer gemeinschaftlichen Betreuung zum Thema Eigentumsübergang im französischen und deutschen Recht (Betreuer : Pr Rémy Libchaber, Universität Panthéon-Sorbonne & Prof. Dr. Barbara Dauner-Lieb, Universität zu Köln), für die ihm der Grand Prix André Isoré der Kanzlei der Pariser Universitäten verliehen wurde, der erste Preis des Centre français de droit comparé, der Preis der Anwaltskanzlei CBH (Köln), der Preis Texier I der Académie des sciences morales et politiques sowie der Dissertationspreis der Deutsch-Französischen Hochschule. Nach seiner Disputation im Juli 2013 wurde er zum Doktor des Rechts der Universität Panthéon-Sorbonne (mit der Auszeichnung „sehr gut“ und den Glückwünschen der Jury) und zum Doctor iuris der Universität zu Köln (summa cum laude) ernannt.
Gleichzeitig arbeitete er an seiner Gesangstechnik mit Winfried Krane, dem damaligen musikalischen Leiter der Kölner Domkantorei sowie mit Erick Mahé, Gesangslehrer am Konservatorium von Le Mans und im Rahmen des Chors des Orchestre de Paris. Während eines Studienaufenthalts in Hamburg profitierte er zudem von den Ratschlägen der deutschen Mezzosopranistin Yvi Jänicke zur Liedinterpretation.
2014 wurde er zum Dozenten (“Maître de conférence”) an der Universität Panthéon-Assas ernannt und 2017, nachdem er das Auswahlverfahren für die Habilitation in Privatrecht und Kriminalwissenschaften bestanden hatte(agrégation de droit privé et sciences criminelles), zum Professor an der Universität Toulon. Im Rahmen des Auswahlverfahrens zur Nachfolge von Professor Claude Witz (Listenplatz 1) wurde er 2019 an die Universität des Saarlandes berufen und von Toulon abgeordnet. Er übernahm in Saarbrücken den Lehrstuhl für französisches Recht und Rechtsvergleichung und leitete das Centre juridique franco-allemand bis zum 1. September 2026 mit. Zum Studienjahr 2026/2027 kehrt Prof. Dr. Dubarry an die Universität Toulon zurück.
Seit 2019 verfeinert er seine Gesangstechnik gemeinsam mit Baptiste Jore, einem Bassisten des Chors der französischen Armee und Gesangspädagoge.
Ein juristisch-musikalischer Proust-Fragebogen, um mich besser kennenzulernen
Mein(e) französiche(r) Lieblingssänger(in)?
Mit einem Mikrofon verkörperte Cora Vaucaire das französische Chanson in seiner edelsten Ausdrucksform. Bei den Herren würde ich Armand Ménard, alias Dranem, nennen, der den französischen Humor im Café-Concert verbreitet hat. In einem eher klassischen Repertoire faszinieren mich zwei Stimmen besonders: die von Georges Thill wegen seiner Perfektion und seiner technischen Beherrschung und die von Antoine Poncé, alias Tony Poncet, wegen der rohen Schönheit seiner Stimme.
Der Komponist, zu dem ich mich am meisten hingezogen fühle?
Ohne zu zögern: Robert Schumann, der selbst ein Semester lang die juristischen Fakultät besucht hat. Aber… bin ich deshalb genauso verrückt wie er? Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht ist er ein herausragender Orchestrator, was sich insbesondere in seinen außergewöhnlichen und unkategorisierbaren Werken wie Genoveva, Das Paradies und die Peri oder den Szenen aus Goethes Faust zeigt. Und seine Davidsbündlertänze sind vielleicht mein Lieblingsklavierstück.
Das Instrument, das mich am meisten fasziniert?
Die Orgel, ganz klar. Jedes Instrument ist einzigartig – was den Klang und die möglichen Registerkombinationen (combinaisons de registres) angeht, aber auch in seinem „architektonischen“ Aufbau der Orgelpfeifen, ganz zu schweigen von den wunderschönen hölzernen Gehäusen, die man manchmal findet. Und es ist sicherlich das einzige Instrument, in dessen Innerem man buchstäblich spazieren gehen kann! Wenn ich das Instrument nennen müsste, von dem ich geträumt hätte, es zu spielen … dann wäre es das Cello, vielleicht wegen seiner Nähe zur menschlichen Stimme, die ich besonders unter dem leidenschaftlichen Bogen von Jacqueline du Pré oder dem zurückhaltenderen, aber nicht unbedingt weniger ausdrucksstarken Bogen von André Navarra schätze.
Oper oder Operette?
Operette! Sie ist die vollkommenste Verschmelzung von Musik, Wort und Theater. Viele große Opernsänger haben übrigens ihre Sporen in der Operette verdient – man denke nur an Nicolaï Gedda, Fritz Wunderlich, Gabriel Bacquier, Renée Doria…
Der Dirigent meiner Träume?
Er ist noch nicht geboren… Er wäre eine Mischung aus Sergiu Celibidaches Klangverständnis, dem Perfektionismus und der Erotik von Carlos Kleiber sowie der manchmal ländlich anmutenden Einfachheit eines Nikolaus Harnoncourt, aber ich wäre nicht in der Lage zu sagen, in welchem Verhältnis!
Französisches oder deutsches Recht?
Eine Fangfrage! Die analytische Seite des deutschen Rechts und die pragmatische sowie ästhetische Dimension des französischen Rechts… Beides zu kombinieren ist aus argumentativer Sicht sehr interessant.
Ein Jurist oder eine Juristin, die oder den ich besonders schätze?
Ich möchte zwei Beispiele nennen. In Deutschland hat Professorin Ingeborg Puppe die Nähe zwischen juristischer und mathematischer Argumentation dargestellt und gleichzeitig viele Mindermeinungen im Strafrecht verteidigt, die jedoch stets auf einer schlüssigen Argumentation beruhen. In Frankreich verfasste Jean-Marie Pardessus, ehemaliger Richter am Kassationsgerichtshof, Professor und Mitglied des Instituts, einen „Handbuch der Grunddienstbarkeiten im XIX. Jahrhundert“. Das Werk verkörpert ein praxisorientiertes Rechtsverständnis, wonach die rechtswissenschaftliche Theorie nicht Selbstzweck ist, sondern der Lösung konkreter Probleme dient, mit denen Rechtsuchende im Alltag konfrontiert werden. Ich greife noch immer oft auf seine Werke zurück, um Schwierigkeiten des 21. Jahrhunderts zu lösen.
Mein Lieblingsartikel des Code Civil?
Wahrscheinlich Artikel 2284, der das Buch über Sicherheiten einleitet: „Wer sich persönlich verpflichtet hat, ist verpflichtet, seine Verpflichtung aus seinem gesamten gegenwärtigen und künftigen Vermögen zu erfüllen. Er stellt gleichzeitig eine Verbindung zwischen den Rechtssubjekten und deren materiellen Vermögen her und bekräftigt die Bedeutung des gegebenen Wortes, indem er es mit der Androhung einer Sanktion verbindet. Es handelt sich um einen Text, der sowohl technischer als auch moralischer Natur ist und auf den man immer wieder zurückkommt, unabhängig davon, in welchem Rechtsgebiet man tätig ist.
Vorlesungen in Robe oder in Alltagskleidung?
In Robe! Doktoren der Rechtswissenschaften tragen eine Robe, die sich je nachdem unterscheidet, ob sie ihren täglichen Aufgaben (Lehrtätigkeit) nachgehen oder an feierlicheren Anlässen teilnehmen. Diese Kleidung, deren Tragen auch heute noch formal vorgeschrieben ist, stellt gewissermaßen ein Bühnenkostüm dar, durch das die Person gewissermaßen hinter ihrem Amt zurücktritt. Sie zeigt auch die Bedeutung des Doktorgrades, der zunehmend an Wert verliert, und hat darüber hinaus unbestreitbare praktische Vorteile.
Lehre oder Forschung?
Lehre und Forschung! Das eine geht nicht ohne das andere. Traditionell ist die Forschung die vorrangige Aufgabe eines Wissenschaftlers, denn seine Lehre muss sich aus den Erkenntnissen seiner Forschung ergeben. Ein Professor, der keine Forschung betreibt, ist gewissermaßen ausgetrocknet und kann daher kein fruchtbarer Boden sein, aus dem junge Juristen wachsen können. Und die Forschung nährt auch die Argumentationen in der täglichen Praxis des Rechts. Es ist verständlich: auch wenn die Forschung der Anfang von allem ist, ist sie doch nicht das Ziel von irgendetwas und kann sich daher nicht selbst genügen.
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